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Innenansichten eines verunsicherten Katholiken

Warum wir in der Kirche sind

Warum wir in der Kirche sind


Niemand ist vollkommen. Kein Priester, kein Bischof und kein Papst. Und wir Gewöhnlichen, die wir an Gott glauben, auch nicht. Und von niemandem sollte man Vollkommenheit verlangen.

Alle machen Fehler, begehen Sünden. Alle. Dies gehört zum Menschsein dazu.

Aber Fehler und Sünden sind nichts, womit man sich abzufinden hat. Ebenso gehört zum Menschsein das Streben nach Vollkommenheit. Dieses Streben, das im Bewusstsein des Menschen entsteht, ist der Motor unseres Handelns (sollte es zumindest sein).

Dieses Streben versucht zu verstehen, „was die Welt im Innersten zusammenhält“. Dieser Faust’sche Gedanke nagt in uns und bestimmt unser Handeln. Da wir uns, anders als Faust, nicht mit dem Teufel verbünden wollen, sind die meisten von uns dort geblieben, wohin sie durch die Taufe bestimmt worden sind: in der Kirche.

Und hier versuchen wir das zu tun, was für die Mitmenschen gut ist und, nach unserer Überzeugung, Gottes Wille ist:

  • anderen zu helfen, wenn sie in Not sind
  • die Umwelt zu gestalten, so dass sie für alle zur Heimat wird
  • Recht und Gesetz gegenüber jedermann gleichermaßen anzuwenden
  • Respekt vor den Mitmenschen
  • Respekt vor allen Lebewesen
  • Nächstenliebe
  • Liebe zum Partner
  • Liebe zu Gott
  • ….

Wie weit wir davon entfernt sind, können wir jeden Tag in der Zeitung lesen, in den Nachrichten sehen oder in uns selbst feststellen. Hier scheinen ganz anderen Dinge, den Lauf der Welt zu bestimmen:

  • Neid
  • Missgunst
  • Verbrechen scheußlichster Art
  • Gier
  • Eifersucht
  • Machtstreben
  • Diebstahl
  • Mord
  • Ausbeutung

Die Versuchungen dieser Welt, nicht das zu tun, was uns unser Gewissen vorschreibt, sind übermächtig. Nur allzu häufig unterliegen wir dieser Versuchung. Doch weil wir glauben, dass wir gemeinsam mit anderen, mit den Lehren Christi und des Alten Testamentes der Versuchung widerstehen können, sind wir in der Kirche. Sie scheint, der Ort zu sein, wo wir unserer eigentlichen Bestimmung am nahesten kommen, auch wenn die Kirche selbst nicht sündenfrei ist. Immerhin ist es der Ort, wo wir die meisten Gleichgesinnten finden. Wo die Wege zum Guten in uns und in der Welt klarer vorgezeichnet sind. Dies gibt uns Hoffnung, das Richtige zu tun.

Reinhold Duczek, 18. 11. 2019

 

Lesen Sie bitte auch dazu den fast gleichnamigen Artikel im neuen Pfarrbief_2019_2020