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Innenansichten eines verunsicherten Katholiken

Endlich! (1)

Ein Hoffnungssignal in dieser bleiernen Zeit.

Einer unserer herausragendsten Kirchenvertreter, der Münchner Erzbischof und Kardinal Reinhard Marx, bietet dem Papst seinen Rücktritt an, weil er eigenes und kirchliches Versagen erkennt und benennt. Er bezieht sich hier ausdrücklich auf die Fälle sexuellen Missbrauchs durch kirchliche Amtsträger und die Schuld, die die Amtskirche trägt und verantwortlich zu bekennen hat. Schuldig ist dabei nicht nur das verbrecherische Handeln des Täters, sondern auch das Verdrängen, Verstecken, Verschleiern und Lügen kirchlicher Vorgesetzter, die um die Taten wussten und nicht eingriffen, weil sie das Ausmaß der Schuld nicht erkannten oder verharmlosen wollten. Insofern handelt es sich hier um systematisches Vertuschen und damit auch um ein „systemisches“ Versagen.

Dass dies maßgebliche Würdenträger nicht erkennen, selbst nachdem sie entsprechende Rechtsgutachten in Auftrag gegeben haben, die ihnen eindeutige Hinweise für institutionelles Verschulden und ihre persönliche Verstrickung darin liefern, beklagt Reinhard Marx zurecht. Ein mächtiges Schweigen zieht sich durch die administrativen Institutionen. Aufarbeitung der Missstände wird proklamiert, aber nur halbherzig gelebt. Marx sieht darin auch einen wichtigen Grund für die gegenwärtig zu erkennende Kirchen- und Glaubensferne vieler Menschen in Deutschland, auch vieler, die sich nichts sehnlicher wünschen als eine wahrhaftig katholische Kirche, die den Auftrag Christi ernst nimmt.

Reinhard Marx übernimmt Verantwortung (und man kann jetzt schon sagen für viele andere in der Kirche mit, die viel mehr Schuld für die Misere der Kirche auf sich geladen haben) durch seinen Amtsverzicht.

Hoffen wir, dass Papst Franziskus Marx’ Gesuch richtig deutet und dieser für den gelebten Katholizismus wichtigen Persönlichkeit, die Möglichkeit bietet, weiter im Sinne der Erneuerung und Wahrhaftigkeit der Kirche zu wirken.

„Ich will zeigen, dass nicht das Amt im Vordergrund steht, sondern der Auftrag des Evangeliums. Auch das ist Teil der Hirtensorge. Ich bitte Sie deshalb sehr, diesen Verzicht anzunehmen. Ich bin weiterhin gerne Priester und Bischof dieser Kirche und werde mich weiter pastoral engagieren, wo immer Sie es für sinnvoll und gut erachten.“
(Auszug aus dem Schreiben von Kardinal Reinhard Marx an Papst Franziskus)

Reinhold Duczek, Bönen, 6. Juni 2021

 

 

Foto: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Kardinal_Reinhard_Marx.jpg